Veranstaltungen
Momentan sind keine Veranstaltungen geplant.Voraussichtlich erst wieder auf der CMT vom 12. - 20.01.2013
Archiv
Präsenz auf der CMT
Gemeinsamer Stand der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Rahmen der
Freizeit-, Motor- und Toruismusmesse CMT in
Halle 6/B384 und Halle 9/B52 (nur am 14. und 15.01.2011)Der Jakobsweg
Informationen von Fachleuten und Veranstaltungen
im Forum der Kirchen:
Der Jakobsweg von Nürnberg nach Konstanz mit Gerhilde Fleischer aus Isny bzw. Jakobswege in Südwestdeutschland mit der Pilgergruppe aus Winnenden täglich
um 11.00 und 14.00 Uhr.Konzert mit dem Bläserteam
des Evanglischen Jugendwerks i.W. am Sonntag, 22.01., von 13.00 - 13.30 Uhr im Atrium auf der Sitztreppe (Eingang Ost) -
siehe auch GottesdienstePräsenz auf der CMT
Gemeinsamer Stand der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Rahmen der
Freizeit-, Motor- und Tourismusmesse CMT
in
Halle 6/B384
Der Jakobsweg
Informationen von Fachleuten und Veranstaltungen
im Forum der Kirchen:
Der Jakobsweg von Nürnberg nach Konstanz mit Gerhilde Fleischer aus Isny bzw. Jakobswege in Südwestdeutschland mit der Pilgergruppe aus Winnenden
täglich um 11.00 und 14.00 Uhr
Empfang der Kirchen - im ICS und Forum der Kirchen
am 20.01.2011 - Fotos: Martin Heubch
Kirche am Weg der Menschen –
Aus dem Vortrag von Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July
Mit diesem Empfang können wir als Kirchen zwei neue Pilgerwege vorstellen. Von der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche wird der Begriff „Pilgerweg“ verwendet, weil es den Initiatoren wichtig ist, mehr als Wanderwege zu beschreiben. Aus diesem Grund findet man in den Broschüren und Internetauftritten nicht nur praktische Hinweise zum Pilgern wie Etappenvorschläge, Informationen zum Wegverlauf und Höhenprofil, Kartenmaterial, Hinweise zu sehenswerten Kirchen oder Diakonischen Einrichtungen am Wegverlauf.
Sie finden auch Texte zum Pilgern sowie Gebete und geistliche Impulse.
Kurz vorstellen möchte ich zunächst den „Martinusweg“…:
Im Internet steht dazu: „2005 hat der Europarat den Martinusweg… in die Liste der Kulturwege aufgenommen... Bischof Dr. Gebhard Fürst hat diese Idee aufgegriffen und den Martinusweg auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart… ausgewiesen.“
Der äußere Weg lädt ein, sich auf einen inneren geistlichen Weg zu begeben und sich mit dem Glaubenszeugnis, dem Leben und dem Wirken des Hl. Martin von Tours auseinanderzusetzen.
Pilgern auf diesem Weg kann so zur Spurensuche werden: nach Spuren des Hl. Martin in Württemberg, aber mehr noch nach Spuren Gottes in unserem Leben. So verstehe ich als evangelischer Christ die Glaubenszeugen vergangener Jahrhunderte: Spuren Gottes im Gefüge dieser Welt…
Unabhängig davon entstand auf Evangelischer Seite der „Diakonie-Pilgerweg“.
Eine Gruppe von Personen, die alle viele Jahre in Kirche und Diakonie beruflich aktiv waren oder sind… haben die Idee zu einem Diakonie-Pilgerweg durch Württemberg entwickelt. Sie sind einen Weg von Schwäbisch Hall bis Wilhelmsdorf gegangen und haben eine schöne Route zusammengestellt...
In der Gesellschaft und nicht nur im kirchlichen Umfeld ist ein neues Wissen und ein neues Bewusstsein von „Pilgerschaft“ entstanden. Mit dem Diakonie Pilgerweg in Württemberg werden die Erfahrungsmöglichkeiten des Pilgerns mit dem Kennenlernen und Erleben diakonischer Einrichtungen und diakonische Arbeit als Beispiel für soziales Engagement in und für unsere Gesellschaft in Württemberg verbunden.
Pilgern ist ein leib-seelisches Erlebnis, eine Erfahrung mit sich, dem Weg und dem Ziel des Weges. Aus dem Zusammenklang von langsamer Fortbewegung (Gehen), dem Eintauchen in die umgebende Natur und Kultur sowie der Wechselwirkung von Aktion und Kontemplation entsteht eine ganz eigene Spiritualität.
Diakonische Einrichtungen bieten viel mehr Möglichkeiten anregender Begegnungen, Erfahrungen und Erkenntnisse als in unserer Gesellschaft bekannt ist. Einrichtungen der Diakonie sind sowohl große, traditionelle Zentren diakonischer Arbeit als auch neue, durch veränderte gesellschaftliche Verhältnisse entstandene, näher an den Kirchengemeinden beheimatete Initiativen.
Die Kirchengemeinden als spirituelle Zentren sind Ausgangs- und Endpunkt einer Diakonie-Pilgerwanderung. Gemeinschaft leben ist die Grundlage einer christlichen, spirituellen Gemeinschaft. Dieses Gemeinschaft erleben ist ein weiteres wichtiges Ziel und mögliche Erfahrung auf dem Pilgerweg… Diakonie ist eine Aufbruchbewegung der Kirche. Jetzt ist das nicht nur ein Symbol, vielmehr können Menschen diese Aufbruchbewegung leibhaftig einüben.
Der Diakonie-Pilgerweg verbindet also im idealen Falle die „Schätze einer Fuß-Pilgerschaft“ mit den Orten der Diakonie und der Gemeinschaft in den Kirchengemeinden...
Die diakonischen Einrichtungen vermitteln Einblicke in die Arbeit und Organisation der Diakonie...
* Die Kirchengemeinden unterstützen Pilger aus ihrer Mitte und durchreisende Pilger. So gewinnen sie neue Einsichten, Erfahrungen und vielleicht eine neue Aufgeschlossenheit.
Der Pilgerweg ist eine besondere Form des sanften Tourismus. Er verbindet den ökologischen Gedanken mit spirituellem Erleben. Das intensive Landschaftserleben durch die Wanderung, die Kontakte zu anderen Pilgern, die Erfahrung von diakonischem Engagement eröffnet neue Ansichten...
Der Diakonie Pilgerweg ist in 45 Abschnitte aufgeteilt. Die Gesamtstrecke beläuft sich auf ca. 470 Kilometer. Jede Teilstrecke ist unterschiedlich lang und unterschiedlich beschaffen. So können sowohl rüstige Pilger als auch Rollstuhlfahrer auf dem Diakonie-Pilgerweg unterwegs sein. Sehenswürdigkeiten, von denen es entlang der Strecken sehr viele gibt, und alternative Wege sind immer wieder angegeben.
Beide Wege zusammen sind für mich ein Symbol und Ausdruck des Themas dieses Empfangs: Kirche am Weg der Menschen.
Im Jahr 2011 werden 1100 km Pilgerweg in Württemberg vorgestellt, ist das nicht eine Schlagzeile wert?
Auf dem Weg sein: Da bleibt und immer wieder die Geschichte der Emmausjünger (Lukas 24). Da sind zwei unterwegs, die meinen, vieles verloren zu haben. Die entscheidende Begegnung aber liegt noch vor ihnen. Und sie hätte sich nicht ereignet, wären sie nicht aufgebrochen.
Der Osterglaube braucht Zeit. Er kennt den Aufbruch, entsteht und wächst aber auf einer „Reise“, einer Wanderung und ist nicht einfach plötzlich da. Der Osterglaube braucht Gemeinschaft. Da ist einer der mitgeht, zuhört und deutet.
Gerade wenn wir unsere Situation betrachten, dass wir in einer Zeit leben, in der es immer weniger Kenntnisse über den Glauben gibt, ist es notwendig sich wieder mit dem Entstehen des Osterglaubens zu beschäftigen.
Der Taufunterricht der alten Kirche hat dies sehr ernst genommen und hat sich mit dem Täufling auf einen mühevollen, langen Weg gemacht.
Schon die ersten Christen sahen sich als Glaubensgemeinschaft unterwegs. Sie wurden von Anfang an „Anhänger des neuen Weges“ (Apostelgeschichte 9,2) genannt. Die ersten Christen wussten: Jesus Christus selbst ist unser Weg (Johannes 14,6), der ‚neue Weg’. Und so sind Christinnen und Christen seit zwei Jahrtausenden im Namen Jesu unterwegs: Immer wieder und auf verschiedenste Weise von Ihm eingeladen, Ihm nachzufolgen.
Kirche am Weg der Menschen heißt für mich und unsere Kirche:
* Begegnen
* Begleiten
* Bestärken
An jeder Kreuzung die wir erreichen, brauchen wir neue Orientierung. So beim Wandern, aber umso mehr im Leben. Die Einrichtungen und Kirchen wollen an den Scheitelpunkten und Kreuzungspunkten auch unseres Lebens stehen.
Wenn man den Start des Diakonie-Pilgerwegs anschaut dann kommt besonders mir das Diak in SchwäbischHall noch einmal vor Augen.
Es gibt dort eine Geburtsstation in der im letzten Jahr mehr als 1000 Kinder entbunden wurden. Und das Diak steht hier stellvertretend für viele katholische und evangelische Einrichtungen, Krankenhäuser und Hebammenverbänden, die sich um die werdenden Kinder und ihr Eltern kümmern.
Wir könnten danach die ganzen Kindergärten, Kindertagesstätten, Horte und Kinderhäuser benennen, die in unserer Gesellschaft unverzichtbar sind. Danach die Kinder- und Jugendarbeit, die Arbeit mit Frauen und Männern, mit Wohnsitzlosen, mit Ausländern und Asylbewerbern.
Einige Stationen haben Sterbehospize und an vielen Kirchen, die an den Wegen liegen sind Kirchhöfe zu finden.
Kirche am Weg der Menschen bedeutet: Begegnen, Begleiten und Bestärken. Christ werden braucht Begleitung und Austausch, Menschen, die bereit sind, ihr Leben und Glauben mit anderen zu teilen. Uns vereint die Zusage Gottes und sein Auftrag „Ihr seid das Salz der Erde“. Deshalb sind wir gemeinsam auf dem Weg zu den Menschen und zum Reich Gottes.
So verkündigen wir das Evangelium als die Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes in unseren Lebensalltag hinein. Wir stärken Menschen durch Wort und Sakrament und ermutigen sie, ihr Leben selbst verantwortet in der Nachfolge Jesu zu gestalten.
Wir helfen ihnen dabei.
So arbeiten wir als handelnde Christinnen und Christen für den Frieden. Wir setzen uns für Gerechtigkeit und die Bewahrung von Gottes Schöpfung ein. Wir kümmern uns um die Schwachen und nehmen sie hinein in unsere Gemeinschaft…
Pilgerwege-Sehnsuchtswege
Ein Grußwort von Domkapitular Rudolf Hagmann, Rottenb.
Öfters bin ich in den vergangenen Tagen auf dem Weg in mein Büro dem offiziellen Plakat zur diesjährigen CMT begegnet: „Wer weg will muss hin“, lautet das aktuelle Motto. Und dazu ist eine lächelnde Frau abgebildet, die eine große Muschel an ihr Ohr drückt. Ein Hinweis darauf, dass es bei der CMT nicht nur um Urlaubsziele quasi gleich um unsere Haustüre geht. Der Hinweis mit der Muschel reicht weiter, bis zu ganz paradiesischen Zielen in fernsten Ländern…
Wer sich die Muschel ans Ohr hält, kann das Meer hören, so hat man uns früher gesagt. Egal, wo man sich befindet… Und die meisten verbinden mit dem Meer die Erfahrung von Weite, Freiheit, Aufatmen… Urlaub, als wichtige und notwendige Unterbrechung unserer Alltagswege…
Mich erinnert das Plakat an einen jüdischen Rabbi.
Er wird von seinen Schülern gefragt, warum der Mensch zwei Ohren und nur einen Mund hätte. Darauf legt sich der Lehrer auf den Boden drückte ein Ohr ganz fest an den Grund: Seht, wer ein Ohr am Boden hat, hat das andere ganz offen für den Himmel.
Wir Mensch sind nicht als nicht nur mit dem einen irdischen Ohr ausgestattet…. sondern wir haben auch das andere – mit dem zweiten hört man besser – das andere Ohr, das zum Himmel hin offen ist…
Darum sind wir als Kirche hier. Wir wissen, was Menschen alles in bedrängende Enge führen kann, so dass sie manchmal bloß noch weg wollen und das Weite suchen. Wir wissen aber auch um die große Sehnsucht, die über das Vordergründige hinaus ragt und nicht nur das Weite, sondern die Weite sucht. Pilgerwege, Glaubenswege, Diakoniewege… sind Sehnsuchtswege, die uns die Sinne und besonders dieses eine Ohr zum Himmel hin öffnen wollen…
Unterbrechung sei die kürzeste Definition von Religion - so J.B. Metz. Unterbrechung, die uns mehr von uns, mehr von dieser Welt und mehr von diesem Gott hören und erfahren lässt…
Empfang der Kirchen - im ICS und Forum der Kirchen
am 21.01.2010 - Fotos: Martin Heubch
- Wallfahrtsorte und Geistliche Häuser -
mit der Musikgruppe "Camino Mundo", Landesbischof Dr. Frank Otfrie July und Doris Albrecht, Martina Feddersen.
Moderation: Mario Kaifel und Karl-Heinz Jaworski
Aus dem Grußwort von Landesbischof Dr. Frank Otfried July
an die ca. 120 geladenen Gäste:
In unserer Zeit hat es die Seele schwer, bei dem „Lebens- und Arbeits-Tempo“ mitzukommen. Es ist gut, wenn die Kirche, auch auf der CMT – mitten im Markt auf der Messe – Unterbrechungen und Atempausen anbietet. Räume, in denen Gott reden darf und kann. Die Kirche soll die Wege der Menschen mitgehen, Plätze und Orte schaffen, wo der Mensch Atem holen und die Hetzjagd des Lebens unterbrechen kann. Die Kirche muss bei den Menschen sein, die unterwegs sind, sie begleiten und Antworten für ihre versteckten und offenen Fragen anbieten.
Gott verleiht Gnade an bestimmten Orten. Das zeigt uns schon die Botschaft des Alten Testaments. Auch der Pilger im Neuen Testament ist unterwegs zur ewigen Heimat. Wallfahrtsorte sind die „wahren Hauptstädte der Welt“, „Gnadenorte in einer gnadenlosen Zeit“. Wir dürfen aufbrechen zur Freiheit, uns distanzieren von der Enge, dem Alltagstrott, der Routine und der Atemlosigkeit.
Aufbrechen und Ankommen
Aus dem Vortrag von Doris Albrecht, Martina Feddersen
Wallfahren - Aufbrechen und Ankommen
Wallfahren - Unterwegs zum Ziel
Im Wort „Wallfahren“ steckt das mittelhochdeutsche Wort „wallen“ für „wandern“. Man wandert, aber nicht um des Wanderns willen. Nicht der Weg ist das maßgebliche Ziel, sondern der Ort, zu dem hin man aufbricht. Wallfahren ist nicht weg-gehen, sondern hin-gehen, sich neu verwurzeln können, sein Leben mit all seine Hoffnungen und Sehnsüchten unter das Obdach Gottes stellen dürfen.
In unserem Wort „Erfahrung“ steckt das Wort „Fahren“, d.h. sich bewegen. Nur derjenige, der sich aufmacht, erfährt etwas über sich und über andere, er erfährt Gott als denjenigen, der alle Wege mitgeht...
Der Psalm 121… und einige andere Psalmen weisen darauf hin, dass die Wallfahrt schon ein alttestamentliches Motiv ist. Der Wallfahrer macht sich auf in der Gewissheit, dass Gott an besonderen Orten Gnaden verleiht...
Im Neuen Testament finden wir vorwiegend das Motiv des Pilgers, der sein Leben lang unterwegs ist zu seiner ewigen Heimat...
Wallfahrten haben immer ein Ziel... Konrad Adenauer sagte einmal: „ Wallfahrtsorte sind die heimlichen Hauptstädte der Welt. Schnittpunkte menschlicher Hoffnung, die nie aufhört; auch dann nicht, wenn der Mensch nicht mehr aus noch ein zu wissen meint, Gnadenorte in einer gnadenlosen Welt.“
Aufbrechen
Die Hausschuhe ausziehen, sich von daheim trennen; die guten schwarzen Lederschuhe in den Schrank stellen, den Alltag unterbrechen, das Geschäft hinter sich lassen. Die Wanderschuhe anziehen, von zu Hause weggehen, sich distanzieren, einen neuen Blick gewinnen. Wer täte nicht gern einen Schritt – heraus aus dem gewöhnlichen und banalen Alltag, heraus aus all dem, was täglich einen bestimmt und beherrscht, heraus aus der Enge und Atemlosigkeit, heraus aus dem Trott und der Routine. Einfach einen herzhaften Schritt in die Weite, um endlich wieder richtig aufatmen zu können. Ein tiefes Verlangen nach Freiheit, nach Glück oder nach einem Augenblick, der etwas von Ewigkeit hat.
Man kann lange von einem solchen Aufbruch träumen, aber ohne den mutigen Sprung, ohne den ersten Schritt kommt man nicht in Bewegung. Widerstände und Einwände von außen und von innen machen den Aufbruch schwer.
Die Frage ist, wer oder was mich „zieht“. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Die Sehnsucht nach mehr, die Sehnsucht nach Weite, die Sehnsucht nach einem Ziel... Die Hilfe darf von Gott, dem Herrn, erwartet werden. Er ist Weggefährte, er selbst ist mit dem, der aufbricht. Und er ist der, der den Ankommenden erwartet.
Gehen
In dem Meditationsheft mit dem Titel „Du schaffst mir weiten Raum – pilgernd unterwegs“ schreibt Rudolf Hagmann über das Gehen:
„Wir Menschen sind zum aufrechten Gang geschaffen und berufen. Wir sind Wesen in Bewegung. Es ist eine der grundlegendsten Erfahrungen, dass wir zum Gehen geboren sind. Von Anfang an sind wir damit beschäftigt, das Gehen zu lernen. Das gilt im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinn. Denn keiner wird mit dem Wissen geboren, wie das Leben „geht“... Lebenslanges Lernen ist auch lebenslanges Gehen, Aufbrechen, Ankommen, Irren, Umkehren, von vorn Beginnen...
Wir Menschen haben Leib und Seele bekommen, Verstand und Vernunft, um mit ihrer Hilfe den Weg unseres Lebens zu entwerfen, zu gestalten und zu verantworten. Im aufrecht Gehen liegt etwas Wesentliches. Hier zeigt sich die äußere Größe und die innere Würde jedes Menschen. Hier zeigt sich, dass wir zur Erde gehören und zugleich hineinreichen in den offenen Himmel. Der aufgerichtete Mensch kann sich seiner Wahrheit stellen, er kann aufbrechen und gehen, wohin er gerufen wird...
In allen Verworrenheiten und Versticktheiten seines eigenen Lebensweges entdeckt der Wallfahrer, dass er zum aufrechten Gang berufen ist und dass der Boden unter seinen Füßen wirklich trägt.“
Tragen
„Beim Gehen ist das Gepäck entscheidend. Wer nicht schon beim Packen loslassen kann, wird sich unterwegs schwer tun. Das Überflüssige lastet doppelt.
Oft ist es jedoch nicht so sehr das äußere Gepäck, das drückt – was die Seele belastet, wiegt schwerer: verunglückte Begegnungen mit anderen Menschen, enttäuschte Hoffnungen, zerplatzte Träume und gescheiterte Pläne. Wunden, die in einem gelebten Leben gar nicht zu vermeiden sind. So trägt manch einer schwer an sich selbst oder an der Last, die andere ihm aufgetragen und aufgeladen haben...
Wallfahren kann anstrengend werden. Das mag am Weg liegen, der mal gerade und eben, dann aber auch wieder steil und schwierig ist. Oft aber liegt es mehr an dem, was einer zu tragen hat. Im Gästebuch einer Herberge findet sich diese kleine Geschichte: ein Junge trägt seinen kleinen Bruder auf dem Rücken und begegnet unterwegs einem Fremden. Der sagt zu ihm: „Du trägst aber eine schwere Last.“ Da antwortete der Junge: „Ich trage meinen Bruder...“ (Rudolf Hagmann)
Ankommen
Wallfahrtsorte befinden sich oft auf Bergen oder an exponierten Orten.
Die Kirchtürme sind oft von weitem schon sichtbar.
Für den Ankommenden ist es eine Freude, wenn er - endlich am Ziel - vor einer offenen Tür steht! Hier ist es das Portal der Kathedrale von Santiago, das die Menschen nach einem langen Weg willkommen heißt.
Wer durch dieses Portal geht, weiß, dass er angekommen ist. Er taucht ein in einen heiligen Raum, der ihm Heimat sein will. Der Ort in seiner besonderen Ausstrahlung lädt ihn zum Staunen, Verweilen und Beten ein.
Betend verweilen
vor der Pieta in einer Wallfahrtskirche…, einem so genannten Gnadenbild. Seit Generationen kommen Menschen zu diesen Bildern, die in allen Wallfahrtskirchen das Zentrum bilden.
Das Leid und die Trauer der Mutter um ihren Sohn ermöglicht dem Betrachter das, was ihn bewegt, dazu zu legen: Ich kann alles hintragen, ablegen, dort lassen. Hier ist es gut aufgehoben.
Hier haben alle Sehnsüchte, Anliegen, Sorgen und Nöte, aber auch der Dank einen Ort.
Eintragungen aus Fürbittbüchern von Wallfahrtsorten in unserer Diözese liefern ein bewegendes Bild, was Menschen hierher bringen:
- Ich habe Sorge um den Bestand meiner Beziehung
- Dass die Kinder und Enkel zum Glauben finden
- Bitte in Krankheit oder vor einer Operation
- Darum, den richtigen Weg zu gehen
- Bitte um Befreiung von meiner Angst
- Schuld und Sünde belasten mich
- Bitte um Frieden in der Welt
- In Sorge um den Arbeitsplatz,
- Wir sind ungewollt kinderlos
- Dank für Kinder
- Manchmal wird eine Lebensbeichte aufgeschrieben
- „Lass uns zusammen gesund alt werden!“
Seelsorgerinnen und Seelsorger, die an Wallfahrtsorten präsent sind, machen die Erfahrung, dass viele Menschen den Wunsch nach einem Gespräch mitbringen. Es... tut ihnen auch gut, wenn ein aufmerksamer Gesprächspartner ein Ohr für ihre Anliegen hat.
Kirchtürme
zeigen nach oben, verweisen auf den Himmel. Sie geben dem Blick des Menschen eine neue Richtung.
Wallfahrtsorte stehen mit ihren Kirchen und Kapellen nicht für sich. Sie sind transparent für das endgültige Ziel unseres Lebens. Der Philipperbrief sagt: „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ (Phil 3,20). Am Wallfahrtsort erfahren wir, feiern, begehen, inszenieren wir, wohin die Reise geht. Der konkrete Ort ist Sinnbild und Verweis auf die Wohnung, die Gott für jeden und jede von uns bereit hält.
Heimkehren
Die offene Tür lässt ankommen, sie lässt aber auch wieder aufbrechen und heimkehren. Die Hinreise und die Rückreise – beide gehören zur Wallfahrt, beide nicht ohne Zumutung und schon gar nicht ohne Abenteuer.
Vieles darf an diesem Ort zurück gelassen werden. Neues ist im Gepäck auf dem Weg nach Hause.
Wallfahrer äußern, was sie mitnehmen:
- Kraft, Hoffnung und Mut,
- Ruhe und Frieden
- Die Absicht, wieder zu kommen
- Dass jemand für mich betet
- ein zufriedenes, frohes Herz
- Gelassenheit und Geduld mit meinen Kindern und mit meinem Mann…








































