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Präsenz auf der CMT


Gemeinsamer Stand der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Rahmen der Freizeit-, Motor- und Tourismusmesse CMT
in Halle 6 B 38





Der Jakobsweg


Informationen von Fachleuten und  Veranstaltungen im Forum der Kirchen:  
Täglich um 11.00 Uhr:  Der Jakobsweg von Nürnberg nach Konstanz – Kurzpräsentation Gerhilde Fleischer, Isny
Täglich um 14.00 Uhr: Jakobswege in Südwestdeutschland – Kurzpräsentation der Pilgergruppe aus Winnenden
 
 



 

Empfang der Kirchen - im ICS und Forum der Kirchen
am 21.01.2010 - Fotos: Martin Heubch






















- Wallfahrtsorte und Geistliche Häuser -
mit der Musikgruppe "Camino Mundo", Landesbischof Dr. Frank Otfrie July und Doris Albrecht, Martina Feddersen.
Moderation: Mario Kaifel und Karl-Heinz Jaworski
 
Aus dem Grußwort von Landesbischof Dr. Frank Otfried July
an die ca. 120 geladenen Gäste:
In unserer Zeit hat es die Seele schwer, bei dem „Lebens- und Arbeits-Tempo“ mitzukommen. Es ist gut, wenn die Kirche, auch auf der CMT – mitten im Markt auf der Messe – Unterbrechungen und Atempausen anbietet. Räume, in denen Gott reden darf und kann. Die Kirche soll die Wege der Menschen mitgehen, Plätze und Orte schaffen, wo der Mensch Atem holen und die Hetzjagd des Lebens unterbrechen kann. Die Kirche muss bei den Menschen sein, die unterwegs sind, sie begleiten und Antworten für ihre versteckten und offenen Fragen anbieten.
Gott verleiht Gnade an bestimmten Orten. Das zeigt uns schon die Botschaft des Alten Testaments. Auch der Pilger im Neuen Testament ist unterwegs zur ewigen Heimat. Wallfahrtsorte sind die „wahren Hauptstädte der Welt“, „Gnadenorte in einer gnadenlosen Zeit“. Wir dürfen aufbrechen zur Freiheit, uns distanzieren von der Enge, dem Alltagstrott, der Routine und der Atemlosigkeit.
 


Aufbrechen und Ankommen

Aus dem Vortrag von Doris Albrecht, Martina Feddersen
Wallfahren -  Aufbrechen und Ankommen
Wallfahren - Unterwegs zum Ziel

Im Wort „Wallfahren“ steckt das mittelhochdeutsche Wort „wallen“ für „wandern“.   Man wandert, aber nicht um des Wanderns willen. Nicht der Weg ist das maßgebliche Ziel, sondern der Ort, zu dem hin man aufbricht. Wallfahren ist nicht weg-gehen, sondern hin-gehen, sich neu verwurzeln können, sein Leben mit all seine Hoffnungen und Sehnsüchten unter das Obdach Gottes stellen dürfen.
In unserem Wort „Erfahrung“ steckt das Wort „Fahren“, d.h. sich bewegen. Nur derjenige, der sich aufmacht, erfährt etwas über sich und über andere, er erfährt Gott als denjenigen, der alle Wege mitgeht...
Der Psalm 121… und einige andere Psalmen weisen darauf hin, dass die Wallfahrt schon ein alttestamentliches Motiv ist. Der Wallfahrer macht sich auf in der Gewissheit, dass Gott an besonderen Orten Gnaden verleiht...
Im Neuen Testament finden wir vorwiegend das Motiv des Pilgers, der sein Leben lang unterwegs ist zu seiner ewigen Heimat...
Wallfahrten haben immer ein Ziel... Konrad Adenauer sagte einmal: „ Wallfahrtsorte sind die heimlichen Hauptstädte der Welt. Schnittpunkte menschlicher Hoffnung, die nie aufhört; auch dann nicht, wenn der Mensch nicht mehr aus noch ein zu wissen meint, Gnadenorte in einer gnadenlosen Welt.“ 
Aufbrechen
Die Hausschuhe ausziehen, sich von daheim trennen; die guten schwarzen Lederschuhe in den Schrank stellen, den Alltag unterbrechen, das Geschäft hinter sich lassen. Die Wanderschuhe anziehen, von zu Hause weggehen, sich distanzieren, einen neuen Blick gewinnen. Wer täte nicht gern einen Schritt – heraus aus dem gewöhnlichen und banalen Alltag, heraus aus all dem, was täglich einen bestimmt und beherrscht, heraus aus der Enge und Atemlosigkeit, heraus aus dem Trott und der Routine. Einfach einen herzhaften Schritt in die Weite, um endlich wieder richtig aufatmen zu können. Ein tiefes Verlangen nach Freiheit, nach Glück oder nach einem Augenblick, der etwas von Ewigkeit hat.
Man kann lange von einem solchen Aufbruch träumen, aber ohne den mutigen Sprung, ohne den ersten Schritt kommt man nicht in Bewegung. Widerstände und Einwände von außen und von innen machen den Aufbruch schwer.
Die Frage ist, wer oder was mich „zieht“. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Die Sehnsucht nach mehr, die Sehnsucht nach Weite, die Sehnsucht nach einem Ziel... Die Hilfe darf von Gott, dem Herrn, erwartet werden. Er ist Weggefährte, er selbst ist mit dem, der aufbricht. Und er ist der, der den Ankommenden erwartet.
Gehen
In dem Meditationsheft mit dem Titel „Du schaffst mir weiten Raum – pilgernd unterwegs“ schreibt Rudolf Hagmann über das Gehen:
„Wir Menschen sind zum aufrechten Gang geschaffen und berufen. Wir sind Wesen in Bewegung. Es ist eine der grundlegendsten Erfahrungen, dass wir zum Gehen geboren sind. Von Anfang an sind wir damit beschäftigt, das Gehen zu lernen. Das gilt im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinn. Denn keiner wird mit dem Wissen geboren, wie das Leben „geht“... Lebenslanges Lernen ist auch lebenslanges Gehen, Aufbrechen, Ankommen, Irren, Umkehren, von vorn Beginnen...
Wir Menschen haben Leib und Seele bekommen, Verstand und Vernunft, um mit ihrer Hilfe den Weg unseres Lebens zu entwerfen, zu gestalten und zu verantworten. Im aufrecht Gehen liegt etwas Wesentliches. Hier zeigt sich die äußere Größe und die innere Würde jedes Menschen. Hier zeigt sich, dass wir zur Erde gehören und zugleich hineinreichen in den offenen Himmel. Der aufgerichtete Mensch kann sich seiner Wahrheit stellen, er kann aufbrechen und gehen, wohin er gerufen wird...
In allen Verworrenheiten und Versticktheiten seines eigenen Lebensweges entdeckt der Wallfahrer, dass er zum aufrechten Gang berufen ist und dass der Boden unter seinen Füßen wirklich trägt.“
Tragen
„Beim Gehen ist das Gepäck entscheidend. Wer nicht schon beim Packen loslassen kann, wird sich unterwegs schwer tun. Das Überflüssige lastet doppelt.
Oft ist es jedoch nicht so sehr das äußere Gepäck, das drückt – was die Seele belastet, wiegt schwerer: verunglückte Begegnungen mit anderen Menschen, enttäuschte Hoffnungen, zerplatzte Träume und gescheiterte Pläne. Wunden, die in einem gelebten Leben gar nicht zu vermeiden sind. So trägt manch einer schwer an sich selbst oder an der Last, die andere ihm aufgetragen und aufgeladen haben...
Wallfahren kann anstrengend werden. Das mag am Weg liegen, der mal gerade und eben, dann aber auch wieder steil und schwierig ist. Oft aber liegt es mehr an dem, was einer zu tragen hat. Im Gästebuch einer Herberge findet sich diese kleine Geschichte: ein Junge trägt seinen kleinen Bruder auf dem Rücken und begegnet unterwegs einem Fremden. Der sagt zu ihm: „Du trägst aber eine schwere Last.“ Da antwortete der Junge: „Ich trage meinen Bruder...“ (Rudolf Hagmann)
Ankommen
Wallfahrtsorte befinden sich oft auf Bergen oder an exponierten Orten.
Die Kirchtürme sind oft von weitem schon sichtbar.
Für den Ankommenden ist es eine Freude, wenn er - endlich am Ziel - vor einer offenen Tür steht! Hier ist es das Portal der Kathedrale von Santiago, das die Menschen nach einem langen Weg willkommen heißt.
Wer durch dieses Portal geht, weiß, dass er angekommen ist. Er taucht ein in einen heiligen Raum, der ihm Heimat sein will. Der Ort in seiner besonderen Ausstrahlung lädt ihn zum Staunen, Verweilen und Beten ein.
Betend verweilen
vor der Pieta in einer Wallfahrtskirche…, einem so genannten Gnadenbild. Seit Generationen kommen Menschen zu diesen Bildern, die in allen Wallfahrtskirchen das Zentrum bilden.
Das Leid und die Trauer der Mutter um ihren Sohn ermöglicht dem Betrachter das, was ihn bewegt, dazu zu legen: Ich kann alles hintragen, ablegen, dort lassen. Hier ist es gut aufgehoben.
Hier haben alle Sehnsüchte, Anliegen, Sorgen und Nöte, aber auch der Dank einen Ort.
Eintragungen aus Fürbittbüchern von Wallfahrtsorten in unserer Diözese liefern ein bewegendes Bild, was Menschen hierher bringen:

  • Ich habe Sorge um den Bestand meiner Beziehung
  • Dass die Kinder und Enkel zum Glauben finden
  • Bitte in Krankheit oder vor einer Operation
  • Darum, den richtigen Weg zu gehen
  • Bitte um Befreiung von meiner Angst
  • Schuld und Sünde belasten mich
  • Bitte um Frieden in der Welt
  • In Sorge um den Arbeitsplatz,
  • Wir sind ungewollt kinderlos
  • Dank für Kinder
  • Manchmal wird eine Lebensbeichte aufgeschrieben
  • „Lass uns zusammen gesund alt werden!“

Seelsorgerinnen und Seelsorger, die an Wallfahrtsorten präsent sind, machen die Erfahrung, dass viele Menschen den Wunsch nach einem Gespräch mitbringen. Es... tut ihnen auch gut, wenn ein aufmerksamer Gesprächspartner ein Ohr für ihre Anliegen hat.
Kirchtürme
zeigen nach oben, verweisen auf den Himmel. Sie geben dem Blick des Menschen eine neue Richtung.
Wallfahrtsorte stehen mit ihren Kirchen und Kapellen nicht für sich. Sie sind transparent für das endgültige Ziel unseres Lebens. Der Philipperbrief sagt: „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ (Phil 3,20). Am Wallfahrtsort erfahren wir, feiern, begehen, inszenieren wir, wohin die Reise geht. Der konkrete Ort ist Sinnbild und Verweis auf die Wohnung, die Gott für jeden und jede von uns bereit hält.
Heimkehren               
Die offene Tür lässt ankommen, sie lässt aber auch wieder aufbrechen und heimkehren. Die Hinreise und die Rückreise – beide gehören zur Wallfahrt, beide nicht ohne Zumutung und schon gar nicht ohne Abenteuer.
Vieles darf an diesem Ort zurück gelassen werden. Neues ist im Gepäck auf dem Weg nach Hause.
Wallfahrer äußern, was sie mitnehmen:
  • Kraft, Hoffnung und Mut,
  • Ruhe und Frieden
  • Die Absicht, wieder zu kommen
  • Dass jemand für mich betet
  • ein zufriedenes, frohes Herz
  • Gelassenheit und Geduld mit meinen Kindern und mit meinem Mann…


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